Lappland: Elche und Mücken

Lappland ist für mich der Inbegriff von Norden. Irgendwie sogar nördlicher als der Nordpol. Entsprechend enttäuscht war ich über die unspektakuläre Einreise in diese Region. Ein ganz kleines, schlichtes Straßenschild ‚Lappland‘ war alles, sonst nichts! Nicht einmal ein ‚Willkommen in Lappland‘ oder gar ein ‚Lappland – die Perle des Nordens‘, vielleicht sogar mit einen Bildchen dazu. Aber nix. Nur ein winziges Schildchen, das ich um ein Haar sogar übersehen hätte. Und es war so winzig, das wir nicht glauben konnten, dass das wirklich alles gewesen sein soll und nicht für ein Foto umgedreht haben. Da muss doch noch etwas richtiges kommen! Aber es kam nix, also habe ich nicht einmal ein Foto.

Ansonsten lief Lappland bisher aber streng nach Klischee: Keine 10 km nach dem winzigen Schild hatten wir ein erstes größeres Mückenproblem und nochmal 10 km später standen die ersten paar Rentiere auf der Straße. Da fehlen jetzt nur noch Elche, aber…

Elche gibt es gar nicht

Der Weihnachtsmann kommt ja angeblich auch aus Lappland und mittlerweile sind wir davon überzeugt, dass die Elche auch nur eine Erfindung sind. So wie Eltern ihren Kindern ganz ernst etwas vom Weihnachtsmann erzählen obwohl sie doch die Wahrheit kennen, genau so erzählt die schwedische Tourismusinformation den Ausländern etwas von den Elchen. Oder habt ihr schon einmal irgendwo einen Elch gesehen? Oder kennt ihr jemanden, der einen gesehen hat? Nicht im Fernsehen, sondern in echt? Na? Seht ihr.

Und genau wie die Eltern beim Weihnachtsmann betreiben die Schweden einen enormen Aufwand dabei, die Geschichte glaubwürdig klingen zu lassen. Sie verteilen zwear keine nett verpackten Geschenke, aber sie stellen überall diese putzigen dreieckigen Warnschilder mit den Elchen auf die die Touristen so gerne klauen. Sie haben Elchparks angelegt, wo Touristenkindern perfekt aussehende und sogar bewegliche Elchattrappen vorgeführt werden. Sie verkaufen sogar schon Postkarten, in die ein durchsichtiges Plastikei eingeklebt ist, das einen angeblichen Elchküddel enthält.

Und sie gehen sogar noch weiter: An Stellen, wo sie Touristen erwarten, legen sie extra größere Haufen dieser Elchküddel an. Sehr raffiniert und ganz sicher sehr arbeitsaufwendig, aber auf einer Wanderung vor ein paar Tagen haben wir sie endgültig durchschaut.

Die Osterhasen-Verschwörung

Denn an einer Stelle haben wir den endgültigen Beweis gefunden, da waren sie einfach zu schlampig: Da lag ein Riesenhaufen angeblicher Elchküddel in einem Kaninchenbau. Die können natürlich nicht von einem echten Elch stammen, die muss ein Kaninchen dort verloren haben. Da liegt natürlich die Vermutung nahe, dass in Wirklichkeit die Kaninchen hier nach Art der Osterhasen die Schokoladeneier bzw. Elchküddel verteilen, ganz sicher gut bezahlt von der schwedischen Tourismuswerbung.

Und vermutlich sind es dann auch genau diese Elchkaninchen, die hin und wieder in Elchkostümen auftreten und ahnungslose Touristen überzeugen sollen indem sie gelegentlich einmal durchs Unterholz zu erahnen sind. Das erklärt auch, warum Elche, falls sie überhaupt einmal gesehen werden, immer nur in großer Entfernung zu sehen sind: Dann fällt die schlampige Tarnung und der Größenunterschied nicht so auf. Aber nicht mit uns! Wir haben euch durchschaut!

Mücken

Der zweite Beweis, dass wir im Norden angekommen sind, sind eindeutig die Mücken. Millionen von Mücken. Ich habe in meinem ganzen Leben vermutlich noch nicht so viele Mücken gesehen wie in den letzten paar Tagen alleine. Hier könnten sich völlig mühelos ganze Gecko-Hundertschaften dick und rund fressen, die Mücken haben es noch nicht einmal nötig schnell zu sein, es sind einfach zu viele. Abends ist es kein Kunststück zwei oder drei auf einmal zu erschlagen, die rühren sich kaum vom Fleck. Nur: Es lohnt sich nicht. Was sind hier schon hundert Mücken weniger?

Der Rest von Schweden hat zwar auch den Ruf ein Mückenland zu sein, das stimmt aber bisher so nicht. Hier und da mal eine, ja. Aber richtig viele sind es erst hier oben geworden. Ganz schlimm ist es bei Windstille, wenn ein Wind weht, hält es sich noch in Grenzen. Nur ist der Wind leider immer recht kühl, mittlerweile sind wir aber nicht mehr so sicher was schlimmer ist: Kalter Wind ohne Mücken oder tolle Wärme mit Mücken.

Mit Autan haben wir es hier gar nicht erst probiert sondern haben gleich unser Tropen-Sortiment an Mückenschutz aufgefahren: DEET von 15 bis 25%, da haben auch die nordischen Mücken noch Respekt vor. Trotzdem bin ich mittlerweile total zerstochen, vor allem deshalb weil die Stiche nicht wie in Thailand einfach nach ein paar Stunden wieder verschwinden, sondern ich richtig heftig auf sie reagiere. Jeder Stich schwillt auf gut 5cm Durchmesser und einen knappen cm Höhe an und hält vier bis fünf Tage.

Neulich haben wir unseren bisherigen Mücken-Highscore aufgestellt. Morgens war das ganze Auto innen komplett voll von Mücken. Überall saßen sie an den Wänden und der Decke, im Abstand von ein paar Zentimetern flächendeckend, dazu dann noch viele, viele in der Luft. Es war kein einzelnes Mückensurren mehr, sondern ein durchgehendes Dröhnen. Ich habe nicht die geringste Ahnung wie die alle so plötzlich ins Auto gekommen sind, als wir uns hingelegt hatten, war das Auto noch so gut wie Mückenfrei. Wir haben schon vermutet, dass wir vielleicht aus der Regenwoche vom Anfang der Tour irgendwo unterm Bodenbelag innen eine Wasserpfütze haben könnten, wo sie brüten. Klingt nicht sehr wahrscheinlich, aber mir fällt nichts logischeres ein.

Am nächsten Abend haben wir jedenfalls alles einmal komplett mit diesen Verdampfer-Plättchen ausgeräuchert. Schon nach zwei Minuten fielen die ersten Fliegen tot von der Wand und seitdem haben wir nur noch übersichtliche Mückenmengen im Auto. Warum auch immer.

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