Dauerregen in Schweden

Heute ist unser vierter Tag in Schweden und es ist der vierte Tag mit Dauerregen. Kaltem Dauerregen. Und windigem noch dazu.

Besichtigungen oder gemütliche Tage am See machen so keinen Sinn, deshalb haben wir den gesamten Süden schweren Herzens links liegen gelassen und sind hauptsächlich gefahren. So sind wir schon ziemlich weit vorangekommen und schon recht dicht am oberen Zipfel der Ostsee angekommen, es sind nur noch 700 km bis zum Polarkreis. Trotz der dichten, dunklen Wolken kann ich abends schon keine Uhrzeit mehr schätzen, nicht einmal mehr ungefähr. 18 Uhr? 20? 22? Keine Ahnung, alles gleich hell. Ohne Wolken würde es vermutlich schon hier nicht mehr dunkel.

Kurzfassung

Es ist wieder zu viel Text geworden, deshalb vorneweg ganz kurz: Sauwetter, Dauerregen, Schweinekalt, es gibt aber Hoffnung. Die Preise hier oben sind nicht so schlimm wie ihr Ruf und eine rätselhafte Panne.

Maria unterwegs

Sie ist wieder richtig happy, mal wieder den großen Wagen zu fahren. Gleich am Anfang ist sie sofort munter drauflosgesprintet – und hat sich schon immerhalb der ersten paar Minuten ein nettes Foto gesichert 😉

Hier in Schweden sollen sie mit den Bußgeldern wesentlich heftiger drauf sein als in Deutschland, deshalb hoffe ich mal, daß das das einzige Foto der Tour bleiben wird. (Dreimal ‚das‘ hintereinander in einem sinnvollen Satz, toll nicht? Jetzt erklär ‚das‘ mal einem Sprachschüler…)

Mysterien

Rätselhaft bleibt, wie sich heute Luft in Luft auflösen konnte. Nachdem wir an einer Raststätte in einer kurzen Regenpause gerade unsere Berliner zuende gefuttert hatten spricht uns ein Holländer an, ob der Wagen da vorne unserer wäre. Der Wagen mit dem platten Reifen. Wagen ja, aber platt?

Einfach so ist der eine Vorderreifen total platt. Von jetzt auf gleich, im Stand, nur ein paar Meter neben uns und sonst niemand in der Gegend. Sehr seltsam.

Wir finden nur ein kleines Metallteil im Mantel, das sich dem Rost nach dort offenbar schon länger recht häuslich eingerichtet hat. Vielleicht hat es schon länger den Schlauch gekitzelt und jetzt war es schließlich so weit? Rätselhaft.

Auf jeden Fall haben wir offenbar mal wieder ordentlich Glück gehabt. Bei 80 Sachen wäre ein platter Vorderreifen bestimmt nicht nett gewesen und der Wechsel an der schmalen Stelle der Straße auch nicht so einfach. Und ich hatte zum Glück auch vor der Abfahrt letzte Woche den Reifendruck des Reservereifens geprüft (Na, wann habt ihr das zum letzten Mal bei eurem Auto gemacht?) und volle drei Ladungen dieses Drucktanks an der Tankstelle nachgefüllt, so schlapp war er.

Schwedenpreise

Eine Schwedenreise soll teuer sein, heisst es es. Sauteuer sogar, nimm‘ bloß genug Lebensmittel mit.

Und? Wir waren im Supermarkt und kamen aus dem Staunen gar nicht wieder heraus. Milch, Käse, Wurst, Grillfleisch, Müsli, Brot, Gemüse: Preise wie in Deutschland, teilweise sogar günstiger. Und das allerbeste: Selbst das Bier ist sogar billiger (ja, in Worten: billiger) als in Deutschland! Der halbe Liter je nach Marke 4 bis 5 Kronen, das sind 40 bis 50 Cent, entsprechend 8 bis 10 Euro für eine ganze Kiste.

Der Unterschied ist nur der Steinfaktor. Das hier normale Bier („Öl“) hat nur 2,8%. Es gibt noch „Stark-Öl“ mit 3,5% und das normale Bier mit 5 komma irgendwas. Das Stark-Öl kostet schon das drei- bis vierfache vom einfachen und was das volle kostet haben wir noch nicht herausgefunden, das wird nämlich nur in speziellen staatlichen Alkoholläden verkauft, nicht im Supermarkt. Und die haben dann auch sehr sparsame Öffnungszeiten, im Gegensatz zu den Supermärkten, die sogar Sonntags teilweise noch bis 20 oder gar 22 Uhr offen haben.

Die weiteren Aussichten

… sind gar nicht mal so schlecht. Der Regen hat heute abend erstmal aufgehört und der Himmel wirkt relativ aufgelockert. Also zumindest gibt es wieder Strukturen und Wolkenschichten, in den letzten Tagen waren wir froh, wenn wir überhaupt einen Horizont im Grau erahnen konnten.

Wir sind heute aus dem Bergland im Landesinneren an die nördliche Ostseeküste gefahren, hier ist es auch gleich wärmer, immerhin wieder leicht zweistellig. Noch nicht so ganz das, was wir uns unter dem Begriff „Sommerurlaub“ vorstellen, aber wir sind ja schon bescheiden geworden. Schliesslich meinen auch die Schweden, dieses Wetter sei eine echte Ausnahme.

Wir sind heute auf einem ganz tollen Campingplatz in der Nähe von Härnösand gelandet, Snibbens Camping. Saugemütlich angelegt, wunderschöne Landschaft drumrum (selbst bei Regen noch schön) und: WLAN! Hier könnte ich es aushalten. Morgen ein regenfreier Tag um unseren Teppich, die Decke und die Schlafsäcke wieder richtig zu trocknen, das wäre etwas…

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