Wieder in der Gegenwart: Ihr habt den Text-Marathon über die letzten drei Wochen so gut wie überstanden, wir sind wieder nahe an der Gegenwart. Nach einer ziemlich anstrengenden 32-Stunden-Tour von der Insel aus sind wir letzte Woche wieder im Norden, wieder in Chiang Mai, angekommen. Wir hatten uns zwar eine ruhige Zeit vorgenommen, trotzdem ist immer etwas los und wir treffen ständig Bekannte wieder oder sind mit neuen Leuten unterwegs.
Wieder in Chiang Mai anzukommen fühlte sich an wie wieder nach Hause zurückkommen. Wir haben uns auf Anhieb gefühlt, als wären wir nie weg gewesen. Es ist seltsam: Wir kennen hier mittlerweile mehr Leute und treffen auf der Straße mehr Bekannte als in Esslingen – und da haben wir bisher immerhin schon gut 1 1/2 Jahre gewohnt.
Staffellauf mit Rucksack
Auf dem Hinweg in den Süden haben wir ja etwas gemogelt und die 800km von Chiang Mai nach Bangkok mit Thai Airways abgekürzt. Auf dem Rückweg waren wir da ehrlicher und sind die kompletten 1500km auf dem Landweg gefahren, insgesamt 32 Stunden mit sieben verschiedenen Verkehrsmitteln: Mit dem Motorradtaxi zum Anleger, Fähre aufs Festland, Pickup nach Ranong, Nachtbus nach Bangkok, Taxi zum Bahnhof, Tagzug nach Chiang Mai, Songtaew (ein Pickup mit Busaufbau) zu „unserem“ Guesthouse, schliesslich – Willkommen zuhause!
Und, in bester Thai-Tradition: Alles ohne Plan. Alles was wir wussten, war die Abfahrtszeit der Fähre, der Rest hat sich unterwegs ergeben. Die Fahrt war zwar ziemlich lang und deshalb anstrengend, es hat aber alle wie am Schnürchen geklappt und wir waren immer wieder aufs neue positiv überrascht.
Busfahren, Thai-Style
Langstrecken-Linienbusfahrten in Europa sind eher freudlos und quälend. Nicht so hier: Hier orientieren sie sich bei jeder Art von Transport sehr am Flugzeug. Die großen Busterminals sind aufgebaut und organisiert wie Flughäfen, mit großer Schalterhalle, geschlossenen Wartebereichen nur für Passagiere und Abfahrtgates. Die Busse gibt es in verschiedenen Bestuhlungen, zwischen 44 und 24 Sitze pro Bus mit entsprechend unterschiedlicher Beinfreiheit. In den Bussen gibt es dann unterwegs auch eine Stewardess, die Kaffee, Getränke und Snacks verteilt. Alles was noch fehlt, sind die Gepäckbänder nach der Ankunft.
Zugfahren, Thai-Style
Im Zug ist es ähnlich. Bisher waren wir immer nur in den Schlafzügen nachts unterwegs, diesmal der erste Tagzug. Da lief dann auch immer eine (sehr hübsche) Stewardess mit Getränkewagen wie im Flugzeug hin und her und hat Kaffee, Kuchen, Snacks und ein warmes Mittagessen verteilt – alles im Fahrpreis von ca. 13 Euro für 800km enthalten.
Das allerbeste war aber der Hauptbahnhof in Bangkok selber. Natürlich gibt es dort jede Menge Futterquellen, es gibt sogar richtigen Kaffee und gute Plunderteilchen am Morgen, aber vor allem: Es gibt einen Waschraum mit Duschen. Ein richtig vollständiges Badezimmer mit allem drum und dran, absolut ideal für Leute wie uns, die sich nach einer Nachtbusfahrt quer durchs halbe Land so richtig ekelig speckig fühlen.
Wir hatten von 6 bis halb neun morgens Aufenthalt am Bahnhof. Das war genau die richtige Zeit um sich mit einer Dusche und einer frischen Rasur wieder in menschliche Wesen zurückzuverwandeln, eine Fahrkarte zu kaufen und ein ordentliches Frühstück zu besorgen. So macht Reisen Laune.
Zukunft
Chiang Mai gefällt uns. Die Stadt hat Atmosphäre, ist nicht so laut wie Bangkok, ist aber auch kein Dorf. Ich habe mich hier in der Umgebung auch einmal ein wenig nach Firmen umgeschaut und mit einigen Leuten getroffen, die hier arbeiten oder schon länger leben. Ich habe den Eindruck, dass wir im Herbst einfach mal für eine längere Zeit wiederkommen sollten, dann könnte sich da durchaus etwas einrichten lassen. Mal sehen.