Wir sind schon seit einer Woche in Chiang Mai in Nord-Thailand. Drittgrößte Stadt von Thailand, 150000 Einwohner, also in der Größe irgendwo zwischen Heidelberg und Münster. Wir waren schon zweimal hier, aber immer nur für das Neujahrsfest Songkran und haben von der eigentlichen Stadt bisher nicht viel
mitbekommen. Diesmal ist das anders, wir bleiben mindestens zwei Wochen hier.
Seit Montag sind wir in einem extrem gemütlichen Guesthouse untergekommen. Kein Guesthouse wir die anderen, sondern Zimmer in einem normalen Wohnhaus, zum Teil aus Holz, zum Teil aus Stein. Davor eine sehr schöne hölzerne Veranda und ein kleiner Garten mit vielen Bäumen. Und das allerbeste: Für die Gäste gibt es im Garten eine große Veranda mit einer kompletten Küche. Wir können uns also hier unseren Kaffee morgens selber kochen und brauchen nicht nach jeder Toastscheibe einzeln zu fragen. Es ist unglaublich, was dieses kleine Detail alleine ausmacht. Wir fühlen uns hier nicht als Touristen auf der Durchreise, sondern als Einwohner. Wir haben unseren eigenen Schlüssel für die Eingangstür, wir gehen selber einkaufen und besorgen uns unseren Frühstückskram. Womit wir schon beim ersten Thema für heute sind:
Einkaufsparadies
Wir waren gestern einkaufen. Und zwar nicht irgendwo, sondern im Paradies. Es liegt nur gut 500m von hier entfernt an der Nord-West-Ecke der Altstadt am Anfang der Huay Kaew Road.
Von aussen ist es nur eins von diesen scheußlichen „modernen“ Einkaufszentren mit jeder Art von auf westlich getrimmten Geschäften, wo man bei arktischen Temperaturen alles zum doppelten oder dreifachen normalen Preis kaufen und zwischendurch schlabbrige Hamburger runterwürgen kann.
Drinnen ist es dann zwar genauso steril und seelenlos wie erwartet, die Temperatur ist aber sehr angenehm. Ein wenig gekühlt, aber nur so weit, dass man beim schnellen gehen noch leicht in Schweiss kommen kann. Und im Keller ist es dann: Das Paradies.
Ein großer Supermarkt voll mit westlichen Lebensmitteln. Dort gibt es alles. Wirklich alles. Weihenstephan Hefeweizen, Erdinger, Paulaner, Warsteiner, drei Sorten Münchner Starkbier, Erbsen&Möhrchen von Bonduelle, Gewürzgurken von Hengstenberg (aus Esslingen), verschiedene Vollkornbrote und sogar Pumpernickel,Kirschmarmelade von Schwartau, Nutella sowieso, Bratwurst (grob+fein), luftgetrocknete Salami, eine große Käsetheke (mit Käsefoundue!), frische Milch, Baguette, etliche Sorten frischer Brötchen mit und ohne Körner und eine Müsliauswahl größer als in den allermeisten deutschen Geschäften.
Die importierten Sachen sind natürlich etwas teurer als in Europa, aber nicht so arg, Preise ähnlich wie in der Schweiz. Die frischen Sachen (Wurst, Aufschnitt, Brot) sind meistens von Deutschen in Thailand produziert worden und sind dann zum Teil sogar günstiger als in Deutschland. Die Zeiten, wo hier sogar die Butter extra aus Neuseeland importiert werden musste, sind eindeutig lange vorbei.
Unser Frühstück hat sich jetzt auch prompt stark entwickelt: Müsli aus Bad Oeynhausen, frische Vollmilch aus Bangkok, Toast irgendwo hier aus der Gegend, gekochter Schinken, frische Butter, verschiedene thailändische Marmeladen, ein Frühstücksei und richtiger Kaffee, gekauft am Wochenende bei einer Wanderung hier in den Bergen direkt beim Kaffeebauern. Ein Fest!
schwäbische Sauberkeit
Die schwäbische Kehrwoche ist berühmt-berüchtigt. Vorgärten haben ordentlich gewachsen zu sein, der Gehweg jeden Samstag gekehrt zu werden und die Straße vor dem Haus hat sauber zu sein. Aber mittlerweile haben wir den Eindruck, die Thais könnten in diesem Punkt sogar den Stuttgartern noch etwas vormachen.
Bei unserer ersten Thailand-Reise vor zehn Jahren hatten wir noch den Eindruck, hier wäre alles deutlich schmuddeliger als in Deutschland. Aber mittlerweile sieht es für uns schon fast umgekehrt aus: In Hedelfingen oder Wangen ist es in vielen Ecken deutlich gammeliger als hier in der Innenstadt von Chiang Mai. Kein Papier liegt herum, keine Plastiktüte, keine Flaschen, keine Dosen. Die Straße ist in top-Zustand und wird mindestens (!) einmal täglich gefegt und gewässert, die Mülleimer regelmäßig geleert und Tickets fürs Falschparken gibt es auch. Wir haben sogar schon Altglascontainer und Sammelstellen für Dosen und leere Plastikflaschen gesehen.
Müllvermeidung
Noch wesentlich besser als Recycling ist natürlich immer die Müllvermeidung. Plastik ist hier zwar leider noch immer noch verbreiteter als in Deutschland, es hat sich aber glücklicherweise auch etwas getan. Trinkwasser wird hier mittlerweile entweder in großen Mehrweg-Kanistern verkauft oder es kommt gleich aus einem der vielen, vielen neuen Trinkwasser-Automaten. Diese Automaten sind meiner Meinung nach die beste und wichtigste Innovation in diesem Land in den letzten 10 Jahren. Früher haben wir Touris immer eine Spur von Plastikmüll hinter uns hergezogen, weil jeder täglich seine 3 oder 4 Plastikflaschen mit Trinkwasser gebraucht hat. Jetzt stehen überall in den Straßen Besenschrank-große Automaten, die gefiltertes Wasser verkaufen, für 1 Baht (2 Cent) kann man dort 1 Liter zapfen. Manche Automaten geben sogar Mengenrabatt, für 2 Baht (4 Cent) gibt es dann 3 Liter, für 5 Baht (10 Cent) sogar 10.
Interessant wäre es jetzt einmal auszuprobieren, was bei 6 Baht passiert. 12 Liter (europäische Logik) oder 11 Liter (Thai-Logik)?
Logik – nach thai style
Wenn man größere Mengen kauft oder in einem Hotel länger bleibt, wird es billiger. Logisch. Das sehen auch die Thais so, deshalb gibt es hier in fast jedem Hotel auch Wochen- und Monatspreise. Aber was ist, wenn jemand nun 10 Tage bleiben will? Für einen Thai keine Frage und ganz logisch: 10 Tage sind eine Woche und drei Tage. Macht also logischerweise einen Wochenpreis und drei normale Tagespreise. Diese Rechnung ist keine Geldschneiderei, sondern einfach nur Thai-Logik.
Eingelebt
Die Zeit verfliegt hier. Wir haben kein spezielles Programm, wir leben einfach vor uns hin und schon ist die erste Woche fast rum. Wir sind hier richtig gut eingerichtet und fühlen uns gar nicht so recht als Touristen, sondern eher als Einwohner: Wir haben WLAN im Zimmer und auf der Veranda, Steckdosen gibt es satt, der Strom funktioniert immer und eigenes Telefon haben wir mittlerweile auch. Superleckeres Futter gibt es gar nicht weit von hier, ein Wasserautomat steht gleich gegenüber, die Milch unten im Kühlschrank.
Diese technische Vollausstattung ist hier ziemlich günstig zu haben: WLAN 200 Baht/Monat (4,40 Euro), Prepaid-Karte mit 30 Cent Guthaben 1 Euro (DTAC Happy SIM Simple, 49 Baht mit 15 B Guthaben), Gespräche nach Deutschland gibt es für 3 Cent die Minute (1,5 Baht über Callback-Card). Ihr könntet uns also auch anrufen, mit der richtigen Vorwahl kostet euch das von Deutschand aus nur zwischen 1,6 und 2,0 Cent pro Minute: http://www.tarif4you.de/tarife/00661.html . Bei Bedarf fragt uns bitte per Mail nach unserer Telefonnummer.
Abkühlung
Die Sache mit der Hitze hat sich deutlich entspannt. Die letzen Tage in Yangoon waren wirklich extrem heiss, hier in Thailand ist es im Moment wesentlich kühler als in Burma. Wobei kühler allerdings nur relativ ist, denn zum Messen können wir auch hier immer noch sehr gut unser Fieberthermometer einsetzen. Jetzt, um 16:00 Uhr, zeigt es noch 36.57°C, das Maximum lag heute aber nur noch sehr knapp über 37°C. Klingt aber heisser, als es sich anfühlt und auf der Veranda lassen sich die Nachmittage sehr angenehm zwischen einem Buch, unserer kalten Dusche (naja, relativ kalten zumindest) und dem Schreiben von langen, langen Heimatmails verbringen 😉 Wir freuen uns schon auf die nächste Woche, dann gibt es tagsüber überall in der Stadt die Abkühlung ständig und frei Haus.
Weitere Pläne
Diese Woche machen wir vielleicht noch einen kleineren Ausflug rund um Chiang Mai, nächste Woche gibt es dann Wasserschlachten bis zum Abwinken: 5 oder 6 Tage Ausnahmezustand zu Songkran. Danach fahren wir dann wohl doch noch für einige Zeit auf eine Insel, wir sind allerdings noch etwas unentschlossen welche und wie genau wir dort hinkommen wollen. Zug? Flug? Bus? Eine Kombination davon? Direkt nach Songkran ist hier alles ausgebucht, was sich schneller bewegen kann als ein Fußgänger.
