Helau!
Der Februar ist schon wieder rum und wir haben uns mit Mails in die Heimat nicht unbedingt überschlagen. Dieses Mal liegt es aber endlich einmal daran, dass wir einfach nichts getan haben. Anfang Februar sind wir recht zügig an Nordindien vorbeigefahren und sitzen seitdem in Goa am Strand und bewegen uns nur äußerst sparsam.
Die meisten Strände hier unten sind entweder total überlaufen, reine Pauschalfestungen oder Partystrände, viele auch alles zusammen. Vor allem die Pauschalstrände rund um Bata Beach sind sehr spannend: Liegestuhl an Liegestuhl, alles ordenlich in Reih‘ und Glied zur Sonne ausgerichtet und von rot-weißen Bierbäuchen bevölkert. Genau so stelle ich mir italienische Adriastrände im Sommer vor.
Knapp nördlich des südlichen Hauptstrandes Palolem gibt es aber noch einen letzten Strand, der nicht übertrieben
überlaufen ist und wo wir sogar mit dem Wagen direkt unter Palmen am Strand stehen können: Agonda Beach. Der Ausblick aus unseren Zeltfenstern im aufgeklappten Dach ist wirklich toll! Nachts das Meer mit den Palmen davor und dem Mond darüber und morgens auf der anderen Seite der Sonnenaufgang direkt neben Marias Kopf.
Dieses Gelände am Südende der Bucht ist schon fast ein richtiger Campingplatz. Ein paar Wachleute, die eigentlich dafür bezahlt werden, die Bauruine einer gewaltigen Hotelanlage mit mehr als 300 Zimmern und eigenem Hubschrauberlandeplatz zu bewachen, lassen Overlander ihre Autos auf dem Gelände des ursprünglich einmal geplanten Hotelstrandes stehen und kassieren dafür 50 Rupies (1 Euro) Stellplatzgebühr pro Auto und Tag. Das meiste davon geben sie an die Ortspolizei und an die Gemeinde weiter damit niemand die geparkten Autos dort sieht, aber ein klein wenig bleibt natürlich schon hängen 😉
indischer Kloputz
Kleiner Nachteil sind die sanitären Einrichtungen und die Müllentsorgung. Weil es diesen Platz gar nicht gibt, gibt es natürlich weder Klo, fließend Wasser oder Müllabfuhr. Wasser können wir uns aus einem Brunnen besorgen, 500m entfernt. Mittlerweile sind wir schon einigermaßen geübt darin, einmal täglich einen dieser bauchigen Plastikbottiche mit 15l Wasser drinnen auf dem Kopf über einen halben Kilometer zu transportieren. Nur freihändig wie die Anwohner hier geht da weiterhin gar nichts, da muss man wohl seit der Geburt geübt haben.
Die Toiletten sind weniger ein Problem. Rundrum gibt es prima Büsche und die Wildschweine hier sind etwas seltsam drauf. Sie scheinen grundsätzlich hungrig zu sein und sind kein bisschen wählerisch, sie fressen sofort alles blitzeblank was wir dort irgendwo hinterlassen haben. Wenigstens haben sie den Anstand, im Busch nebenan zu warten, bis wir fertig sind, dann sprinten sie aber sofort mit großer Vorfreude los und machen sauber. Für uns steht jedenfalls fest, das wir hier kein Schweinefleisch essen werden. Und so langsam geht mir auf, warum Moslems Schweine für dreckige Tiere halten und sich weigern, sie zu essen.
Literaturhunger
Die Müllentsorgung funktioniert auch sehr indisch, sogar mit vollständiger Mülltrennung und Recycling! Beim Kochen können wir alle Reste einfach an Ort und Stelle fallen lassen, das verschwindet von selbst. Erst kommen die Krähen, solange, bis sie von den Hunden verscheucht werden. Und später tauchen dann irgendwann die überall freilaufenden Kühe auf und fressen in der Nacht alles: Wassermelonenschalen, Bananenschalen, altes Brot, Kartoffelschalen – alles. Leider auch noch viel mehr: Diese Biester halten Papier und Pappe für einen Leckerbissen und verputzen alles, was wir nicht in Sicherheit bringen. Unsere Nachbarn hatten anfangs einmal ihre (Papp-!) Kiste Bier nachts unter dem Auto gelagert. Am nächsten morgen klappert es sehr lange und laut, dann sind nur noch die nackten Flaschen über und der Karton rundrum ist spurlos verschwunden. Immerhin erstaunlich, das die (Papier!) Etiketten noch auf den Flaschen geklebt haben.
Wir haben die Speisegewohnheiten der heiligen Herrschaften ähnlich kennengelernt: Nachts raschelt es ewig und morgens ist mein gesamtes Anzündpapier aus dem Brennholzsack verschwunden. Seitdem lagern wir unsere wertvollen Altpapiervorräte nur noch im Auto.
Mittlerweile haben wir uns dran gewöhnt und es kommt nicht mehr viel weg. Alle paar Tage klaut mal eine Krähe eine Blätterteigtasche vom Frühstücksteller oder ein Ei bekommt plötzlich ein zufälligerweise genau schnabelgroßes Loch, aber die Verluste halben sich einigermaßen in Grenzen. Nur finde ich seit vier Tagen mein Buch nicht mehr wieder. „Schiffbruch mit Tiger“, sehr lustig geschrieben und die Handlung spielt zu einem guten Teil in Südindien. Ich erinnere mich, das Buch zuletzt einmal neben meinem Kopfkissen gesehen zu haben und einmal lag es neben dem Kochwasser-Kanister – draußen! Mir schwant böses…
Soll ich jetzt in Deutschland in eine Buchhandlung gehen und fragen: „Könnte ich das Buch bitte mal kurz ausleihen? Mir fehlen nur noch die letzten 50 Seiten, meins hat leider eine indische Kuh gefressen?“ Wenigstens die Affen halten sich schön brav an ihre Reviergrenzen und bleiben immer streng auf der anderen Flussseite im Wald. Sonst könnten wir wirklich gar nichts mehr unbeaufsichtigt lassen.
Bauboom
Ich hatte schon einmal geschrieben, das es am Ausbau des Autos etliche Punkte gibt, die uns stören. Wir haben uns mittlerweile viel Zeit genommen um einen Plan zu entwickeln und heute sind wir auf Großeinkauf in Chaudi, der nächsten Kleinstadt. Jede Menge passend (?) zugeschnittenes Holz, Schrauben, Winkel, Schleifpapier – wir können bald einen Baumarkt aufmachen. Jetzt wird fleißig gebastelt und demnächst haben wir dann hoffentlich wesentlich mehr und vor allem besser nutzbaren Stauraum im Auto. Bis dahin sind die Strandferien keine Ferien, sondern ein reiner Arbeitsaufenthalt, aber wir freuen uns schon drauf. Maria hat heute hier in der Stadt jedenfalls schon einmal eine tolle Hangematte und ein schönes Sonnendach nähen lassen, wir sind also auf den nichtstu-Teil am Ende vorbereitet 😉
Bis dahin,
Michael