Irgendwie klappt es immer

Hallo zuhause!

Hat Yai

Seit gestern nachmittag sind wir wieder zurück in der Zivilisation, wieder auf dem Festland. Wir sind in Hat Yai, im äußersten Süden von Thailand, gar nicht mal so weit von der malaiischen Grenze entfernt. Bisher steht es in der Touri-Zählung zwischen Maria und mir 4:4, vier Westler habe ich zuerst gesehen, bei vieren war sie schneller. Es ist allerdings nicht sicher, dass wir nicht vielleicht beide dieselben vier gesehen haben, unser Personengedächnis reicht dafür nicht. Jedenfalls ist dieses hier definitiv keine typische Touri-Stadt mit Pizza-Buden und Internet-Cafes an jeder Straßenecke. Genaugenommen sind Westler hier eine extreme Ausnahmeerscheinung, die ganze Stadt ist überhaupt nicht darauf eingerichtet. Hier ist praktisch nichts auf englisch beschriftet, sondern alles nur auf thai, chinesisch, arabisch und malaiisch. Hier wohnen kaum „richtige“ Thais, sondern meist nur eingebürgerte Chinesen. Sie sprechen zwar auch oft Thai, achten aber immer sehr darauf, ihre Kultur nicht zu vernachlässigen. Praktisch alle Restaurants und Hotels gehören Chinesen, und die meisten sehen eher nach einem Mafia-Treffpunkt als nach einem Ort für Touristen oder Geschäftsreisende aus: Alles ziemlich dunkel, leicht heruntergekommen und insgesamt irgendwie schmierig und halbseiden. Heute abend werden wir das mal genauer untersuchen, im Moment (mittags, kurz vor eins) ist das Geschäftsviertel noch recht tot. Gestern abend bin ich hier mal kurz durchgelaufen, auf der Suche nach einem Internet-Zugang, und war nach den drei sehr ruhigen Wochen auf den Inseln überwältigt von den vielen Menschen überall, dem Glitzern der Shopping-Malls und den vielen, vielen Bars. Es ist Wochenende, da kommen sehr viele Maleiien über die Grenze, um hier alles einzukaufen, was sie im streng islamischen Malaisia nicht oder nur sehr teuer bekommen können. „Wan’na Lady, Sir?“ kam dann natürlich auch prompt, schließlich war ich alleine unterwegs, weil Maria nach dem Essen schon recht müde im Hotelzimmer geblieben ist.

Luxus!

Dieses Mal haben wir uns erstmals ganz bewusst für ein Hotel der gehobenen Mittelklasse entschieden, obwohl es genug billigere Alternativen gegeben hätte. Ich hatte gar nicht geglaubt, wie sehr man sich doch über die kleinen Dinge der Zivilisation freuen kann: Eine eigene Steckdose im Zimmer, um die Akkus endlich mal wieder alle randvoll zu bekommen. Strom, sogar den ganzen Tag, selbst nach Mitternacht noch. Eine echte Dusche, mit Duschwanne, Vorhang, Brausekopf. Und sogar in der Temperatur einstellbar! Kalt, heiß und alles dazwischen! Das Wasser von ordentlicher Qualität, ohne Brackwassergeschmack beim Zähneputzen. Ein Schrank, so richtig mit Fächern, Bügeln und einer Tür davor. Licht, das man vom Bett aus ausmachen kann. Phantastisch.

Wir sind so von dem Zimmer begeistert, dass wir tatsächlich ernsthaft darüber nachdenken, noch einen weiteren Tag hier in der Stadt zu bleiben, obwohl es hier ehrlich gesagt wirklich rein garnichts interessantes zu sehen oder zu tun gibt. Es ist eine von diesen typischen gesichtslosen Betonstädten, die seit den 50ern vollkommen planlos extrem gewuchert sind. Genauso wie die meisten Kleinstädte hier oder wie viele griechische oder türkische Küstenstädte. Den Vormittag verbummeln wir beide schon eine Weile hier am Computer und lesen nach, was in der letzten Zeit so interessantes passiert ist, ansonsten gibt es außer essen und Zeitung lesen nichts zu tun. Wir werden heute abend wohl noch intensiv durch die Geschäfte bummeln, aber brauchen oder suchen tun wir nichts. Einfach nur mal wieder Zivilisation schnuppern. Dies ist übrigens auch der allererste Ort auf unserer gesamten Reise, wo ich erst fragen musste, um einen Internet-Laden zu finden. Normalerweise gibt es hier selbst in Kleinstädten keine Straße ohne Internet-Cafe, sogar in Kambodscha oder Laos. Aber hier im Süden scheinen den Leuten wohl andere Dinge wichtiger zu sein 😉 Auch ein Telefon ist hier garnicht so einfach aufzutreiben: Die Telefonzellen erlauben keine Auslandsgespräche, Hoteltelefone kosten ganze Monatslöhne, so ab 5 Euro die Minute aufwärts, und Telefonstuben gibt es hier einfach nicht.

Es klappt schon…

Aber weg von der Stadt zu den Inseln: Vor der Westküste liegen sehr viele kleine Inseln, viele davon mit schönen Stränden und sehr ruhig. Dieses Mal haben wir im äußersten Südwesten mit Koh Lipe angefangen und sind dann entlang der Inselkette über Koh Tarutao und Bulon Lee wieder ans Festland zurückgekommen. Koh Lipe, die erste Station, war direkt der Volltreffer, an den wir eigentlich gar nicht mehr geglaubt hatten. Wir hatten erwartet, dass wir von den Inseln sowieso nur enttäuscht werden können, nachdem wir vor drei Jahren auf Koh Hai gewesen sind. Wir wollten sie nur der Vollständigkeit halber einmal kurz besuchen um uns ein Bild machen zu können. In Trang hatten wir in den vielen Buchungsbüros schon eine ganze Menge Bilder von verschiedenen Bungalowanlagen gesehen, das Porn Resort auf Koh Lipe fiel uns besonders positiv ins Auge, wir haben aber trotzdem nicht fest vorgebucht, sondern haben nur eine Fahrkarte für den Bus zum Hafen nach Pakbara und für die Fähre um 13:30h nach Koh Lipe gebucht. Erstaunlicherweise hat uns jedes Reisebüro komplett andere Fährzeiten genannt, auch am Hafen erzählt jeder etwas anderes. Das einzige, worin sich alle einig waren, war die Tatsache, dass es um 13:30h ganz sicher kein Boot gibt. Schon gar nicht nach Lipe. Aber: „Wait a minute, please!“ Irgendwann hieß es, es gäbe doch ein Boot um 13:30h. Wohin war zwar noch nicht klar, aber: „Wait a minute, please!“. Hier bitte einsteigen, Fahrkarte vorzeigen: Stirnrunzeln beim Kapitän.

Es sieht aus, als wüsste er gar nicht, wann oder wohin er fahren soll. Irgendwann fährt das Boot los, Ziel unbekannt. Es heißt nach Bulon Lee, dort könnten wir dann umsteigen. Dann evtl. doch bis Koh Adang, und dort umsteigen. Oder vielleicht doch nur nach Koh Tarutao und morgen früh dann weiter? Irgendwann legt er in Bulon Lee an: Dürfen wir sitzenbleiben oder müssen alle aussteigen? Es geht weiter, nach Koh Lipe! Und kurz nach Sonnenuntergang sind wir dann auch tatsächlich dort. Weil es eine Mini-Fähre und gerade Hochwasser ist, kann er uns sogar direkt am Strand rauslassen, ohne dass wir erst in ein Longtail-Boot umsteigen müssen. Hat wieder alles bestens geklappt!

Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Dinge hier funktionieren. Einfach zurücklehnen und abwarten, garnicht erst versuchen zu verstehen, was genau da gerade vorgeht, ist die beste Taktik zum Vorwärtskommen. Nach westlichen Maßstäben ist es zwar manchmal recht chaotisch, aber wir haben es noch nie erlebt, dass etwas nicht funktioniert hat. Wenn man eine Fahrkarte nach Lipe kauft, wird man auch nach Lipe gebracht, egal wie.

Koh Lipe und Karaoke

Jedenfalls war es eine schöne, gemütliche Fahrt auf einer kleinen, hölzernen Fähre mit nur einem Dutzend Leuten. Auf dem Boot haben wir einen deutschen Rentner getroffen, der auf Bulon Lee lebt und der uns auch das Porn empfohlen hat, inklusive Wegbeschreibung. Die Anlage liegt nämlich auf der anderen Seite der Insel, in einer kleinen Bucht, gute 10 Minuten Fußmarsch durch den Wald vom Hauptstrand entfernt. Bei Ankunft war es dann schon fast dunkel, die Taschenlampe irgendwo tief im Gepäck verstaut: Wir haben den Weg aber trotzdem gefunden, der weiße Sand der Insel leuchtet auch Nachts hell genug. Und dort: Toller Strand, tolle Hütten, tolle Leute und super Essen. Leider wollten die schon nach ein paar Tagen, ende April, Saisonende ausrufen und alles schließen. Aber keiner der Gäste wollte gehen, alle fanden es zu schön. Es wäre schon fast in eine Hausbesetzung ausgeartet, jedenfalls haben sie dann die Saison noch um eine Woche verlängert und uns erst dann rausgeschmissen. Aber vorher gab es noch eine richtig gute spontane Saisonende-Party. Ich hätte nie geglaubt, dass wir irgendwann einmal auf die Idee kommen könnten zu thailändischer Karaoke-Musik zu tanzen und das ganze auch noch richtig spaßig zu finden. Die Einheimischen dort verstehen auf jeden Fall etwas vom Feiern!

Langstreckenschnorcheln

Auf der Insel kann man auch genial schnorcheln, die ersten Korallenriffe beginnen direkt am Strand. Einmal bin ich um die Insel herum zum Hauptstrand geschnorchelt (6 Stunden, ich hatte die Entfernung doch etwas unterschätzt…) und war wirklich überwältigt von der klaren Sicht und der unglaublichen Menge an Fischen. Zweimal habe ich sogar vor lauter Fischen nichts mehr gesehen, überall um mich herum nur kleine, glitzernde Fischchen in einem riesigen Schwarm. Und die Sicht war so extrem klar, dass ich an der Oberkante der Felsabhänge schon fast so etwas wie Höhenangst gespürt habe, es war, als stehe man an der Kante eines tiefen Abgrundes und bückt sich noch darüber, um besser hineinsehen zu können. Später, auf einem Schnorchelausflug auf die Nachbarinseln wurde dann aber sogar das noch übertroffen, dort gab es dann auch wieder viele Fische und noch viel mehr bunte Korallen. Enorm.

Abschied

Nachdem „unsere“ Anlage endgültig geschlossen war, sind wir noch für drei Tage in die letzte, noch geöffnete Anlage umgezogen, haben uns dort aber nicht recht wohl gefühlt. Der Strand sieht zwar toll aus, aber die gesamte Atmosphäre wirkte eher bedrückend und dunkel, es war einfach nicht das Gleiche.

Natur pur auf Koh Tarutao

Weiter nach Koh Tarutao, eine komplett andere Insel: So tropisch wie der Biggesee im Sauerland. Obwohl es natürlich immer noch genauso warm war wie auf den wirklich sehr tropischen Schwesterinseln. Wegen der schlechten Witterungsbedingungen auf der Insel ist sie unbewohnt und wurde früher als Gefängnisinsel genutzt. Ein Hochsicherheitsgefängnis, in dem die Insassen ohne Zäune und Ketten eingeschlossen waren von den Krokodilen, Haien und Schlangen. Auf diese Insel fährt man nicht der Strände wegen, sondern um Tiere zu beobachten oder im Dschungel zu zelten. Die Insel ist genial zum Wandern: Es wimmelt von Vögeln, Affen und Reptilien, einmal haben wir sogar eine schwimmende Echse von gut 1,5m Länge beim Fressen am Strand gesehen. Die wenigen Überreste des alten Gefängnisses kann man sich natürlich auch ansehen, die eigentliche Sehenswürdigkeit ist dabei allerdings der Weg selbst und die Natur drumherum. Für die Wanderung zum ersten Gefängnis hatten wir uns ein Zelt ausgeliehen und waren schon vorher gewarnt worden, dass diese Zelte nicht die allerbesten seien. Nunja, wir waren vorbereitet und hatten uns auf etwas Feuchtigkeit im inneren eingestellt, waren dann aber doch überrascht, wie schlecht das Zelt wirklich war. Ich habe jedenfalls noch niemals soviel Wasser im inneren eines Zeltes gesehen (Frank: Außer in Abt, natürlich 🙂 Jedes in Deutschland gekaufte Billigzelt der 50-Euro-Klasse hält besser dicht und ist größer und sturmfester. Aber dank unserer pfützengeeigneten Plastikmatte als Unterlage hat das Wasser uns kaum erreicht und wir konnten trotzdem gut schlafen. Wir wären gerne noch länger geblieben und wären noch einige andere Strecken gelaufen, aber leider hatte Maria sich letztens auf Lipe den Fuß verletzt und konnte mit der Wunde unmöglich die Wanderschuhe tragen.

Koh Bulon Lee

Sturmflut an der Nordsee?

Bulon Lee hatten wir dann praktisch für uns allein: Zu Anfang waren einschließlich uns genau sieben Touristen auf der Insel, bei der Abreise nach vier Tagen waren wir dann die letzten. Drei Bungalow- Anlagen waren noch nicht geschlossen, ein Restaurant war noch einige Stunden täglich geöffnet. Die Insel ist auch sehr schön, vor allem sehr gepflegt. Wir haben uns zeitweise wie im Kurpark einer Nordseeinsel in der Nebensaison gefühlt: Überall Blumenbeete und tolle Gärten um die Hütten herum, vollkommen unasiatisch. Das Wetter war eher ungemütlich, einmal gab es nachts auch einen ordentlichen Sturm. Vorgestern war dann auch noch Vollmond, da kommt die Flut dann besonders hoch, so dass wir beim Schlafen das Meer 20cm unter uns zwischen den Stelzen unserer Hütte hören konnten.

Arzt und Bier

Leider machen einige unserer kleinen Wunden und Mückenstiche trotz Bade-Abstinenz immer mehr Probleme. Statt wie sonst einfach nach drei Tagen zu heilen, werden sie immer größer und entwickeln sehr ungesund aussehende Rötungen drumherum. Also weg von der Insel und aus der salzigen Luft, in der die Haut nie wirklich trocken wird, in die Stadt, nach Hat Yai. Wir waren gestern damit beim Arzt, hier in der Uniklink haben wir jemanden gefunden, der auch wirklich gut englisch sprechen konnte. Er war vor einem halben Jahr für eine Zeit in einem Krankenhaus in München, witzig, nicht? Er hält das ganze jedenfalls für eine Infektion aus dem Sand auf der Insel und hat uns gleich passende Medikamente verschrieben, die auch schon gut angefangen haben zu wirken. Und die ganze Aktion, Arzt und Medikamente zusammen, kostet gerade einmal 64 Baht (1,45 Euro) pro Person. Zum Vergleich: Ein großes Bier in der Kneipe kostet zwischen 60 und 90 Baht, ein warmes Abendessen im Restaurant zwischen 60 und 150 Baht. Und diese Wunden waren auch der Hauptgrund für das Hotel: In vollklimatisierten Räumen ist die Luftfeuchtigkeit wesentlich geringer als draußen, und prompt hat sich auch endlich eine saubere Kruste auf den Wunden gebildet. Wir sind begeistert.

Ich war wieder viel zu ausführlich und bekomme in diesem (leider schon wieder klimatisierten) Internetladen richtig kalte Finger und Füße und muss dringend wieder nach draußen zum Aufwärmen. Hier drinnen ist es vermutlich auch wesentlich wärmer als bei euch draußen,

Michael + Maria

Dieser Beitrag wurde unter Asien 2003, best-of, Heimatmail, Thailand abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert