Hochwasser

In den deutschen Zeitungen habe ich noch nicht allzuviel darüber gelesen, aber hier in Thailand gab es in den letzten vier Wochen die schwersten Regenfälle und Überschwemmungen seit mindestens 50 Jahren, in vielen Landesteilen sogar die schwersten Überschwemmungen jemals. Etliche große Städte stehen zwei oder drei Meter unter Wasser, zum Teil schon seit gut drei Wochen und es wird noch ein paar Wochen dauern bis alles wieder ablaufen kann. Insgesamt stehen im Moment ungefähr 1 Million Häuser unter Wasser und es sind schon über 120 Leute ertrunken.

Am heftigsten ist es im Nordosten und in der Mitte etwas nördlich von Bangkok. Auf dem Rückweg von Kambodscha konnten wir uns einen kleinen Teil davon ansehen. In Chayaphrum, einer Stadt ein paar hundert Kilometer östlich von Bangkok, sah die Hauptstraße eher aus wie ein Fluss. Autos standen bis zu den Fenstern im Wasser und der Bus ist trotzdem tapfer durchgeschwommen. Glücklicherweise war unserer Gepäck komplett wasserdicht verpackt, denn alle Taschen im Gepäckfach waren am Ende total durchgeweicht. Unsere Bugwelle schwappte langsam an den Haus- und Gartenwänden hoch und leere Mülltonnen dümpeln träge vor sich hin. Wir hatten eher das Gefühl auf einer Nordseefähre zu sitzen als in einem Bus.

Zwei Tage später hat dann der große Regen eingesetzt und die richtigen Überschwemmungen haben angefangen. Da fahren jetzt auch keine Busse und Züge mehr.

der Süden

In dieser Woche hat es dann plötzlich einen zweitägigen Extremregen ganz im Süden gegeben und seitdem ist auch die Stadt Hat Yai, gut 800km südlich von den bisherigen Regengebieten, überschwemmt. Zum Vergleich: Der Extremregen in Steinfurt vor ein paar Monaten war um die 160mm. In Hat Yai hatten sie zwei Tagen hintereinander jeweils 200mm. 420mm Regen in nur zwei Tagen! Gestern haben sie im Fernsehen dazu die Wetterstatistik für den Süden mit den drei regenreichsten Jahren gezeigt: Vor 10 Jahren gut 800mm, vor 30 Jahren 1200mm und in diesem Jahr bisher schon knapp 1700mm. Auch in den Touristengegenden auf Phuket und den Inseln Koh Samui und Koh Phan Ngan gibt es Überschwemmungen und Erdrutsche. Eigentlich sollte dort jetzt die Hochsaison am Strand anfangen. Irgendwie kommt der Tourismus hier in der letzten Zeit nicht so recht in Tritt.

der Norden

Nur hier oben, im Norden rund um Chiang Mai, scheint in diesem Jahr der beste Platz im ganzen Land zu sein. Im September und Oktober hat es zwar ordentlich geregnet, es ist aber nichts spektakuläres passiert, es hat gerade gereicht, um die Stauseen in den Bergen wieder zu füllen. Bei Starkregen gibt es hier und da mal eine überschwemmte Straße, aber eine halbe Stunde später ist das dann schon ganz von alleine wieder abgelaufen. Vor zwei Wochen fuhren einmal ein paar Tage lang keine Züge mehr, weil kurz hinter Bangkok die Schienen unter Wasser standen, aber das war auch recht schnell wieder vorbei.

Ende der Regenzeit

Und am letzten Mittwoch war dann die Regenzeit ganz plötzlich, von einem Tag auf den anderen, hier zu Ende. Zack. Schluss. Vorbei. Wie mit einem Schalter. An dem Mittwoch war plötzlich ein Wetter wie an der Nordsee, ein frischer Wind hat die feuchte Luft gründlich weggepustet und der Himmel ist seitdem strahlend blau und wolkenlos. Einfach so, ohne jeden Übergang zwischen den Jahreszeiten. Statt bewölkter Waschküche bei 33 Grad und 95% Luftfeuchtigkeit haben wir jetzt deutsches Sommerwetter bei 28 Grad und 50% und abends müssen wir sogar eine Jacke anziehen weil es Nachts bis 16 Grad runtergeht. Neulich war ich abends in einem Supermarkt und statt dem sonst üblichen Frostschock war es drinnen sogar wärmer als draussen. Das habe ich hier noch nie erlebt.

Outdoor-Wetter

Wir genießen das Wetter im Augenblick, sind viel draussen und bekommen auch wieder öfters Besuch. Morgen früh erwarten wir eine Engländerin für ein paar Tage. Sie hat einige Zeit in Korea gelebt und fährt jetzt mit dem Fahrrad zurück nach England – das wird bestimmt eine interessante Tour. Vielleicht können wir mit ihr in den nächsten Tagen ein paar Ausflüge hier in der Umgebung machen.

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