Kambodschas Norden

Alles ist Braun. Schön gleichmäßige Bräune überall. Selbst das ehemals überwiegend weisse T-Shirt nimmt so langsam aber sicher diesen Einheitston an, die Haare auch und die Schuhe sowieso. Die (fehlende) Qualität der Straßen in Kambodscha ist berühmt-berüchtigt, aber so staubig hatte ich es mir hier wirklich nicht vorgestellt, immerhin ist gerade jetzt der Höhepunkt der Regenzeit. Zwischendurch gibt es auch durchaus mal sehr kräftige Schauer, die die Wege in in Null-komma-nix knöcheltief unter Wasser setzen und das Braun ein wenig abspülen, aber spätestens eine Stunde danach staubt die Straße schon wieder.

Wir sind über einen winzigen Grenzübergang im Norden von Kambodscha eingereist und haben in den ersten drei Tagen keinen einzigen Ausländer gesehen. Dafür aber riesige Mengen von unglaublich fröhlich strahlenden Gesichtern. Besonders natürlich die der Kinder, aber auch die Erwachsenen winken und grüßen überall.

Ein klein wenig haben wir geschummelt: Per Anhalter mit einem LKW

Der Norden Kambodschas soll der ärmste Teil des ohnehin ziemlich armen Landes sein. Wir haben auch schon viele Leute gesehen, die nicht nur ein einfaches, sondern wohl wirklich ein ärmliches Leben führen. Trotzdem verbreiten sie hier eine unglaublich entspannte und offene Atmosphäre und wir fühlen uns auf dem Fahrrad nie als Eindringlinge. Wir sind unglaublich froh, mal wieder auf diese Weise unterwegs zu sein und eine Gegend wirklich zu erleben. Wir sind langsam genug, um alle winkenden oder grüßenden Menschen einzeln zu beachten und ihnen bei der Arbeit oder beim Nichtstun zuzusehen und schnell genug, dass es nicht in Gafferei ausartet.

FOTOSTRECKE (13 Bilder)


Auf dem Land sind die Leute selber sehr viel mit dem Fahrrad unterwegs und immer ganz aus dem Häuschen wenn sie mal ein paar Ausländer radeln sehen. So entspannt und fröhlich haben wir dieses Land bisher noch nicht erlebt. Die ganzen ersten Tage auf dem Land hat uns niemand angebettelt, uns Souveniers oder eine Tuk-Tuk-Fahrt aufschwatzen wollen oder versucht, uns von irgendeinem Hotel zu überzeugen. Alles ganz normale Leute, die einfach nur ihr Leben leben.

Beim letzten Mal 2003 waren wir in drei Touri-Orten und nach gut zwei Wochen waren wir von dem ständigen Angequatscht-werden total erledigt. Der Höhepunkt der Tour damals war die Motorrad-Fahrt in den Süden: Auf der Fahrt hatten wir uns total verfahren und sind mitten im Nirgendwo gelandet. Diesmal sind wir mit voller Absicht auf dem Land, in einer Gegend, die im Lonley Planet gerade einmal drei Seiten für insgesamt sechs Ortschaften einnimmt und wo es weder Busse noch Tuk-Tuks gibt.

Strom haben sie dort mittlerweile zwar schon, zumindest teilweise, aber bisher stehen unter den Häusern noch sehr viel mehr Ochsenkarren als Autos, auf den Straßen halten sich Fahrräder und Motorroller noch die Waage und in den meisten Restaurants läuft noch kein Fernseher mit Dauerberieselung.

Minen und Malaria

Touristisch hat der Norden noch immer einen eher schlechten Ruf als schwer vermint und stark Malaria gefährdet – das können wir aber absolut nicht bestätigen. Wir haben zwischendurch auch eine der vielen Minenräum-Organisationen besucht und dort hieß es, das man mittlerweile schon recht weit weg von den Siedlungen und ziemlich weit in die Wälder gehen muss um noch Minen zu finden. Da liegen sie dann zwar noch immer reichlich, aber eben weit weg von den Straßen und Orten.

Auch Mücken haben hier erstaunlicherweise eher Seltenheitswert, trotz Regenzeit und reichlich stehenden Wassers auf den Reisfeldern. Und die wenigen Biester, die uns trotzdem begegnen, konnten wir mit Mückenschutz-Creme immer problemlos auf Abstand halten.

Zivilisation

Wir sind jetzt schon eine ganze Weile zurück in der Zivilisation in Siem Reap, der Stadt bei den Tempeln von Angkor, aber darüber schreibe ich später. Sonst wird der Text wieder sooo lang, das ihn eh’ keiner mehr liest. Und wie immer findet ihr die Bilder nur auf der Webseite, nicht in der Mail; der Link steht ganz unten.
Bis dann,

Michael

Dieser Beitrag wurde unter Heimatmail, Kambodscha, Thailand 2010 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

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