Türkei

Schnelle Durchfahrt durch die Türkei

Pünktlich am 31. Oktober stehen wir an der türkischen Grenze. Bis hierhin sind wir mit unseren Personalausweisen gereist und haben die Pässe noch nicht gebraucht. Das hätten wir aber wohl besser sein gelassen, denn die Tatsache, das wir so keinen bulgarischen Ausreisestempel vorweisen können, stiftet sehr viel Verwirrung unter den türkischen Grenzern und legt die gesamte Abfertigung auf allen Spuren für eine ganze Weile vollständig still. Nach einer Viertelstunde haben sie zwar noch immer nicht verstanden, warum wir zwei verschiedene Reisedokumente besitzen, der Chef gibt uns aber endlich das Ok für den türkischen Einreisestempel – alles in Butter.



Am Bosperus: Welcome to asia

Nach 90 Minuten sind wir durch: Eine sehr gute Zeit, wenn man bedenkt, das wir ohne Ausreisestempel, ohne für die Türkei gültige Autoversicherung und mit einer ablaufenden Zulassung hier erschienen sind. Die Versicherung kostet 30 Euro für drei Monate und wird fix an der Grenze abgeschlossen, der Rest interessiert niemanden.

Die Westtürkei ist eine positive Überraschung. Es ist alles sehr westlich hier, die Leute sind sehr entspannt, alles sehr angenehm. Istambul durchqueren wir ohne Halt auf der Autobahn – das tut wieder einmal weh. Freundlicherweise haben sie hinter der Bosperusbrücke sogar ein Schild aufgestellt: “Welcome to Asia” – es kann also losgehen.

Zeit für eine Panne

Ein Abstecher zum schwarzen Meer läuft leider nicht wie gewünscht. Irgendwann beginnt unsere Kupplung an Steigungen durchzurutschen bis ich schließlich eine Steigung mit geschätzten 8% nur noch gaaaaanz gefühlvoll im 2. Gang hochschleichen kann – bloß keine falsche Bewegung mit dem Gas. Ein genauer Blick in unser Werkstatthandbuch brachte dann aber recht schnell die Erleuchtung, der Rest war dann nur noch (viel) Fummelei, um die extrem schlecht zugänglichen Einstellschrauben zu erwischen. Klar ein Montagefehler beim Wechsel neulich, also indirekt auch wieder eine Nachwehe vom Motortausch.



Gewitterstimmung am Schwarzen Meer

Am Meer holt uns dann wieder der Winter ein. Wochenlang war es sonnig mit über 20 Grad, innerhalb von zwei Tagen bei Dauerregen und Sturm fällt die Temperatur auf Null.


Ungemütlicher Strand am Schwarzen Meer



Sturm am Schwarzen Meer

Wir wollen schnell wieder weg ins Landesinnere, müssen dazu aber über zwei Pässe mit 2200 und 2500 Metern Höhe. Ab 1000m haben wir Schnee, oben sind es fast 30cm, alles innerhalb der letzten 24 Stunden runtergekommen. Der Wintereinbruch war noch so frisch und so plötzlich gekommen, dass das Laub überall noch auf den Bäumen hing.



erster Schnee auf 1000m

Der erste Pass ging noch ordentlich, 20km und 1000 Höhenmeter vor dem zweiten wurde es aber bereits dunkel – es war “schon” kurz vor vier. Passenderweise hat aber vor gut zwei Wochen an genau dieser Stelle ein richtig schönes Hotel eröffnet. Mit WLAN auf jedem Zimmer! Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie *sauwohl* wir uns an diesem Abend gefühlt haben! Mal wieder so richtig toll Duschen und in feinen Bettchen schlafen, alles gut geheizt! Das war übrigens das allererste Mal überhaupt, dass ich nach dem Einchecken in einem Hotel so richtig überhaupt und gar keine Lust hatte, das Haus wieder zu verlassen. Wir haben die ganze Zeit über bis zur Abfahrt am nächsten Morgen keinen Fuß vor die Hoteltür gesetzt und am abend richtig faul im Hotelrestaurant gegessen. Endlich gab es mal wieder ein Bier zum Essen! In der Türkei ist Bier zwar legal und wird auch in den vielen Alkohol-Läden verkauft, aber normale Restaurants haben es nie und nur ein einziges Mal (ganz im Westen, noch im europäischen Teil der Türkei) ist jemand losgesprintet, Bier zu besorgen. Wer Bier trinken möchte, muss es sich selber kaufen und kann es dann zuhause trinken – nicht in der Öffentlichkeit.


Aussicht aus dem Hotelzimmer am nächsten Morgen

Am nächsten Tag hatten wir dann ziemlich ernsthaft darüber nachgedacht, noch einen reinen Hoteltag nachzulegen, uns aber dann doch aufgerafft – der Berg ruft. Das Wetter war traumhaft schön und die Orte am Weg sahen einfach nur putzig aus mit ihren quitschbunten Häuschen und den Kuppeln der Moscheen mitten in einer ordentlich verschneiten Landschaft.


Verschneites Auto

Weiter oben am Pass war die Straße dann nicht mehr ganz so frei, aber trotz Eispartien gut zu fahren. Irgendwann, ein paar Meter unterhalb von der Gipfelhöhe knirscht der Schnee dann deutlich lauter – oh, tatsächlich: Der Reifen hinten rechts ist platt!


Plattfuß

Also haben wir in der vorletzten Kurve vor dem Gipfel auf vereister Straße und deutlich mehr als 10% Steigung die Gelegenheit gehabt, unseren nagelneuen Hi-Lift einmal auszutesten. Zwar saukalt, aber wenigstes eine Arbeit vor wunderschöner Kulisse, der Ausblick über den Radmutternschlüssel war einfach traumhaft.


Aussicht von oben

Wir lernen: Das Reserverad vorne auf der Haube macht nicht nur vor der Eisdiele eine tolle Figur, nein: Es ist sogar sehr hilfreich! Und so ein Hi-Lift funktioniert prächtig, sogar auf stark abschüssiger Strecke und auf rutschigem Untergrund.

Nach einer Stunde war das Problem fachgerecht gelöst und alles Werkzeug wieder sauber verstaut. Zurück ins (noch einigermaßen) warme Auto, Schlüssel umdrehen – huuup, huuup, huuup. Das sind dann die Momente, in denen ich einfach nur noch ins Lenkrad beißen möchte. An unmöglicher Stelle in einer Saukälte den Wagen wieder klar bekommen und jetzt zickt die Wegfahrsperre rum. Die wollte ich sowieso rausschmeissen, weil ich so viel Elektronik im Auto einfach nicht traue – ich arbeite schon beruflich einfach zu viel mit Elektronik, da passieren selbst unter Laborbedingungen schon manchmal seltsame Dinge. Der dickste Teil der Sperre ist beim Motorwechsel eh’ schon rausgeflogen, nur Kleinkram fehlt noch.

Es stellt sich dann heraus, dass die Batterie des Senders wohl schon ziemlich am Ende ist und ihr die Kälte während des Reifenwechsels den Rest gegeben hat. Ein bisschen aufwärmen und säubern der Kontakte lösen unser zweites Problem heute und es geht weiter.

Den Schlauch wechseln und den Reifen neu aufziehen lassen ist dann eine Sache von Minuten in einem der vielen, vielen “Oto Lastice”-Buden am Straßenrand. Jetzt hat es sich auch bewährt, dass wir einige Ersatzschläuche dabei haben. Den alten hat es böse erwischt, durch das Loch passt bequem eine ganze Faust. Ausgelöst hat das Problem ein dickes Drahtstück, vermutlich von einer Schneekette von einem der iranischen Laster auf dem Pass. Die Iraner waren übrigens die einzigen mit Schneeketten, bei den türkischen Lastern würde es mich nicht wundern, wenn die mit Sommerreifen unterwegs waren.

Die Kälte bleibt uns leider auch im Landesinneren bis auf weiteres erhalten. Nachts wird es saukalt, die +1 Grad im Auto kommen uns dann noch kuschelig warm vor. Habt ihr es eigentlich schon einmal erlebt, das Nutella im Glas so hart geworden ist, das man es morgens aus dem Glas herausmeisseln muss?


Nutellabröckchen

Weiter nach Osten wird die Türkei immer ärmlicher, die Leute immer verschlossener und die Frauen immer stärker verschleiert. Wir fahren nur durch, weiter zur iranischen Grenze.


Dorf in Kurdistan

Fazit Türkei

Viel gesehen haben wir vom Land natürlich nicht, dafür hat unsere Geduld bei diesem Sauwetter nicht gereicht. Insgesamt war es aber relativ positiv, verglichen mit dem Aufenthalt vor knapp zehn Jahren an der Mittelmeerküste rund um Bodrum. Im Norden sind die Leute weniger unverschämt und aufdringlich, unser Reiseland wird die Türkei aber trotzdem nie werden.

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