Trekking bei Muang Ngoi



Unterwegs

Wir haben zusammen mit einer supernetten Schottin und unserem Wanderführer Vita in den ersten Tagen eine zweitägige Trekkingtour ins Hinterland von Muang Ngoi unternommen.



Mitten im Nirgendwo

Unser Weg führt durch ein kleines Seitental mit einigen Nachbardörfern, das nächste 1 Stunde entfernt, das übernächste gut 4 Stunden. Dann wieder zwei Stunden lang nichts bis zum nächsten Dorf, und immer so weiter.



Pause

Insgesamt sind wir am ersten Tag 6 Stunden und am zweiten Tag 8 Stunden gelaufen, haben sehr viel gesehen und in einem der Dörfer übernachtet.

Reisschälen

Klopfmühle zum Reisschälen
Die Spreu wird vom Reis getrennt

Der Tag beginnt bei Sonnenaufgang damit, in schweren hölzernen Klopfmühlen den Reis für den Tag zu schälen. Für drei Kilogramm braucht eine Frau eine gute Stunde, und den Mühlkopf immer wieder fallen zu lassen, ist wirklich harte Arbeit. Die Mühle sieht ungefähr aus wie eine Wippe mit einem kurzen, leichten und einem langen, schweren Ende. Die Frau tritt dann immer wieder mit ihrem vollem Gewicht das leichte Ende auf den Boden, hebt das schwere Ende und lässt es dann mit voller Wucht auf dem Reis fallen. Immer wieder, jeder einzelne Schlag entspricht etwa der Höhe von zwei deutschen Treffenstufen, solange, bis der Reis nach ca. 1 Stunde aus seiner Hülse gefallen ist. Ich habe Vita daraufhin gleich einmal etwas von Fitnessstudios mit diesen seltsamen Stepper-Geräten erzählt und was die Leute dafür bezahlen, diese Geräte nutzen zu dürfen. Er hat da auch sofort ein Geschäft gewittert ;-)

Danach werden dann noch leeren Reishülsen von den eigentlichen Körnern getrennt. Auch wieder ganz klassisch. Der geschälte Reis wird in die Luft geschleudert, der Wind bläst die leichte Spreu zur Seite und nur die schweren Körner landen wieder in der flachen Schale.



Mini-Gewächshaus aus Bambus

Der Rest im Dorf läuft ähnlich einfach ab: Die Hühner und Enten laufen mit ihren vielen Küken immer um die Reismühlen herum, die Schweine dösen im Schatten oder sulen sich unten im Wald gemeinsam mit den Wasserbüffeln in einer Schlammgrube und die Männer gehen zur Jagd. Es ist eine Gesellschaft genau im Übergang von den Jägern und Sammlern zum Wanderfeldbau. Eisen wird schon verwendet, aber ansonsten stellen sie tatsächlich alles aus Bambus und Holz her. Wir haben lange nach etwas gesucht, was sie nicht mit Bambus anstellen. Alles ist aus Bambus: Häuser, Leitern, Wände, Matten, Stoffe, Lampen, Schiffe, Fischreusen, Flöße, Staudämme, Treppen, Uferbefestigungen, Musikinstrumente, Pfeifen, Papier, Taschen, Flaschen, Töpfe, Mörser, Messer, einfach alles. Essen tun sie ihn auch (schmeckt gut als Suppe), aber, *Tätä!*: Sie rauchen ihn nicht! Jawohl! Das tun sie nicht mit Bambus!



Whisky Bamboo

Whisky Bamboo

ist eine Art von Reiswein-Federweisser, der in einem dickem Bambusrohr angesetzt wird und nach einer Woche Gärung dann trinkfertig ist. Ziemlich süß, sehr lecker und trotz seines hochtrabenden Namens nicht zu stark. Getrunken wird stilvoll am Abend in gemütlicher Runde mit einem langen Strohhalm (Natürlich nicht aus Stroh, sondern, ihr werdet es nie erraten, aus Bambus).



Die Dorfschule

Einer von zwei Klassenräumen für alle Kinder des Dorfes. Das Gebäude und die Schulbänke natürlich auch aus Bambus, die Tafel besteht aus einem Holzbrett, das mit dem Kohlenpulver aus verbrauchten Zink-Kohle-Batterien geschwärzt wird (Aha! Erwischt! Technik, keine Bambus-Kohle!). Als Kreide wird ein weicher Stein aus der Gegend verwendet. Als Schulglocke dient eine amerikanische Granatenhülse.



Am nächsten Tag

Am nächsten Tag

ging es noch weiter in das nächste Dorf. Die Häuser sehen völlig anders aus, die Leute leben aber genauso altertümlich. Diese alte Frau knibbelt gerade die Maiskörner von den Kolben und sortiert sie.



Seltsame Sitten

Seltsame Sitten

Die Männer saßen während unseres gesamten Besuchs so vor ihrer Hütte. Achtet mal auf die rechte Hand des Mannes mit dem Kind. Er hat die gesamte Zeit über an dem Jungen herumgespielt, es scheint für ihn völlig normal zu sein.



Dorftor

In diesem Dorf lebt auch das größere Vieh ab der Ziege aufwärts in direkter Nachbarschaft. Entsprechend dann auch der Geruch im Dorf und die Anzahl an Fliegen. Völlig anderer Lebensstil als in dem Dorf, in dem wir übernachtet haben. Erstaunlich.



Brandrodung

Brandrodung

ist auch heute noch ein riesiges Problem in dieser Gegend. Die Bergvölker beharren auf ihren alten Lebensweisen und brennen Hügel für Hügel wertvoller Wälder ab um zwei Jahre lang etwas Reis und Bananen anbauen zu können: Holz fuer 1 Mio$ verbrennen, um Reis im Wert von einigen Tausend Dollar anzubauen. Aber leider kann man das Holz weder essen noch abtransportieren – bitter. Habt ihr schon mal eine rote Sonne gesehen, die fast senkrecht vom Himmel funzelt? Jeden Nachmittag ab 13 Uhr breitet sich im ganzen Norden eine gespenstische Abendstimmung aus und die Ascheflocken legen sich auf alles. Der März und April sind Rodungszeit.



Büffelsuppe

Die wichtigsten Nutztiere hier sind die Wasserbüffel, ohne sie wäre die Feldarbeit nicht zu schaffen. Als Transporttiere werden sie allerdings nicht genutzt, da es keine Wege gibt, die man mit einem Ochsenkarren befahren könnte.

Rückweg



Bald wieder zuhause

Der zweite Tag war doch sehr anstrengend. Vor allem die gerodeten, schattenlosen Flächen haben uns geschafft. Heute abend haben wir uns unser Beer Lao wirklich verdient!

Die ganz hartnäckigen unter euch finden in unserer Heimatmail vom 12.4 noch mehr Texte aus und über Muang Ngoi.

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